Julia Liedel: Marsatmung

Performance am Sonntag, den 23. Oktober 2022, 11 Uhr

„Ich laufe durch die Straßen einer Großstadt, vielleicht sogar an ihrem Rand und sehe nichts anderes außer Müll in vertrocknetem Gras. Einen Katzenkadaver. Freunde sprechen über eine Tonne, die Regenwasser sammelt, wie viel Geld man in neue Systeme investieren sollte und warum einem das jetzt erst einfällt Regenwasser regelmäßig, nicht nur in Dürreperioden zu sammeln. Ich dehne meinen Nacken und mache Stretchübungen, um meine Schultern zu entspannen. Entlastung. Beruhigung der Gedanken. Abreaktion wäre jetzt gut, sage ich zu mir selbst und denke an einen langen Waldlauf. Natur und Sport als Geheimrezept, als psychologische Überlebensstrategie. Wenn eben der Kopf versucht zu explodieren, aufgrund von Gedanken, die sich über Umweltverpestung, Unverantwortlichkeit und strategische Lösungen dagegen drehen.

Eine Figur erscheint. Man weiß nicht genau welche der drei Charaktere dargestellt wird. Ein Cyber, ein Roboter oder doch ein alter Butohgeist? Sie vermischen sich in ihrer Erscheinung, sie transformieren sich ineinander. Bloß wer verwandelt sich in wen?

Aus recycelten Tetrapak-Tüten ist ein Kostüm entstanden, das den ganzen menschlichen Körper bedeckt. Durch statische Bewegungen wird das Bild eines Roboters erzeugt. Dieser verwandelt sich durch das Aufreißen des Kostüms in eine Butohfigur, die durch Stimmexperimente und Sytheziser Sounds einen Klagegesang über das Leben führt. Hintergründe dafür sind das persönliche emotionale Empfinden über die Tatsache der Misshandlung von Tier und Natur und somit die Respektlosigkeit uns selbst gegenüber.

Die Relation zwischen Natur und Technik ist seit Jahrhunderten eines der bewegendsten Themen der Menschheit. Am Ende steht die Frage im Raum: Wer vernichtet hier wen? Faszination, Unverständnis und Misstrauen empfinden wir gegenüber den neuesten technischen Fortschritten und ihren Auswirkungen auf unser alltägliches Leben. Im Gegensatz dazu steht die Verzweiflung über die Zerstörung unserer Umwelt, zum Beispiel, wenn man von einem 8. Kontinent aus womöglich bald 225 Millionen Tonnen Plastik hört.“ Text Julia Liedel

vimeo.com/user55155727

„Bezeichnung“

Serie von 8 Zeichnungen
DinA4; 2022; Buntstift/Filzstift auf Papier;

Bildnachweis: Julia Liedel